Fredrik Azelius: „Eine herausragende Teamleistung“

Zum Abschied unterhielten wir uns noch einmal mit Topscorer Fredrik Azelius über sein Jahr in der Bundesliga. Es gibt sogar einiges, was Schweden lernen kann, meint der neue Klubchef von FC Helsingborg.

Fredrik, wenn sonst nichts, hast du wenigsten etwas Deutsch gelernt?

Ich denke, mein Deutsch ist mittlerweile ganz gut. Während meines Aufenthalts lebte ich mit Tante, Onkel und Cousins zusammen und wir sprach nur deutsch miteinander. Ich verstehe also, was um mich herum gesprochen wird. Mit dem selber reden hapert’s noch etwas.

Als du im vergangenen Sommer in Berlin ankamst, wusstest du gar nicht, worauf du dich einlässt. Was hat dich am meisten überrascht?

Das stimmt, ich hatte keinen Plan. Ich muss zugeben, das Niveau der Spieler war wesentlich höher als ich zuvor vermutet hatte. Das hat man gleich im ersten Training gemerkt. Andererseits, die mentalen Unterschiede sind recht groß. Die Einstellung ist eine andere, man nimmt es nicht so ernst und versucht viel mehr Spaß zu haben. In Schweden tut’s richtig weh, wenn man verliert, und es ist ganz nett zu gewinnen. Hier ist es andersrum. Da können die Schweden noch was lernen.

Wo siehst du die größten Potenziale der Liga? Wo die wichtigsten Baustellen?

In Deutschland steckt einiges. Spieler und Vereine sind motiviert und arbeiten hart daran, besser und besser zu werden. Die meisten Hallen sind spitze, es gibt Sponsoren, tolle Fans… im Grunde alles, was man zum Wachsen braucht. Was mir in der Liga fehlte, war mehr Kampfgeist. Schön, dass sich die Spieler untereinander gut verstehen, aber es braucht manchmal etwas mehr Feuer, um wirklich den nächsten Schritt zu machen. Oft hatten einige Gegner Angst, mit mir in harte Zweikämpfe zu gehen. Das war unnötig viel Respekt. Als sie es dann aber doch versuchten, merkten sie, dass sie’s genauso drauf haben.

Zu Beginn der Saison, warst du derjenige, der fast alle wichtigen Tore schoss. Das hat sich mit der Zeit geändert und deine komplette Line wurde gefährlich.

Unglaublich. Nicht nur meine Line, sondern das gesamte Team hat riesige Schritte vorwärts gemacht. Ich habe in meiner Laufbahn noch nie eine solche Entwicklung gesehen. Wir hatten von Anfang an gute Spieler, aber wir wussten nicht, wie wir als Mannschaft spielen können. Am besten konnte man es im Pokalfinale sehen. Das war eine herausragende Mannschaftleistung. Wir hielten hinten dicht, agierten vorne clever, waren effizient im Powerplay und rappelten uns immer wieder auf. Schade, dass es am Ende nicht reichte. Ich ziehe den Hut vor den Trainern, dass sie uns trotz der schwierigen Bedingungen zu besseren Spielern machen konnten. Das war beeindruckend.

Du hast dich tatsächlich ganz wohl gefühlt in Berlin, oder? Was wird dir am meisten fehlen?

Ja, es war toll. Ich fühlte mich von Anfang an willkommen. Die „Oldies“, Jan und Marek, haben sich damals mit mir zum Abendessen getroffen und vorsichtshalber erst einmal meine Erwartungen heruntergeschraubt. Alle waren großartig zum mir und es hat wirklich Spaß gemacht. In Erinnerung bleibt mir natürlich das Final4, mit allem Drum und Dran. Außerhalb des Feldes haben wir auch einiges zusammen erlebt. Zum Beispiel die Karaoke-Nacht. Alle tauchten auf und wir hatten eine tolle Zeit.

Wenn also ein schwedischer Kollege überlegen würde, nach Berlin zu ziehen, würdest du ihm die Stadt empfehlen?

Ich kann nur Gutes über Berlin und den Verein sagen. Ich würde ihm erklären, dass dort einiges anders läuft, aber dass er die beste Zeit seines Lebens haben wird. Auch wenn er deswegen leider viel Bier wird trinken muss.

Du wirst für Helsingborg nicht nur als Spieler in der Superligan auflaufen, sondern auch den ganzen Verein managen. Wie ist das passiert?

Ich sollte ja eigentlich schon letztes Jahr für Helsingborg spielen, aber ich entschied mich nach Berlin zu gehen. Ich blieb mit Schweden in Kontakt und als der vorherige Manager im April die Koffer packte, bekam ich dieses Angebot. Ich grübelte eine Weile darüber. Die Gelegenheit in der stärksten Liga der Welt zu spielen, bekommt man aber nicht jeden Tag.