„Nächstes Mal ziehe ich den Fuß weg“

Ein ganz Großer geht. Mit Tom „Tombo“ Nebe beendet einer der besten deutschen Torhüter der Geschichte seine Karriere. Seit 2011 war er Berlins Lebensversicherung. Nebes letzte Worte.

batberlin.de: Tombo, aus, Ende, vorbei. Und das im zarten Alter von 29 Jahren. Warum sterben die Guten immer jung?

Tom Nebe: Danke für das Kompliment. War ich zuletzt echt noch gut? Mit 29 Jahren gehöre ich bei uns im Team auf jeden Fall schon zu den mittelalten Eisen. Ich habe mein halbes Leben in der 1. Bundesliga gespielt – und entsprechend immer eine Menge Zeit dafür aufgebracht. Durch Familie und Job ist diese Zeit geschwunden – und entweder macht man etwas richtig, oder eben nicht. Deshalb habe ich mich entschieden, jetzt aufzuhören. Mit dem Alter hatte das tatsächlich weniger zu tun.

Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Floorballmagazin. Ergibt ein Leben ohne Floorball Sinn?

Lange hätte ich gesagt: auf keinen Fall. Inzwischen muss ich sagen: durchaus. Wobei ich nicht ganz auf Floorball verzichten kann und will. Das dritte Team lockt schon. (lacht) Und auch zuhause verfolgt micht der Sport: Meine kleine Tochter hat schon zwei Schläger.

Könntest du dir trotzdem vorstellen, der Sportart irgendwie erhalten bleiben? Wenn ja, hast du eine Ahnung, wie?

Naja, um ehrlich zu sein, sehe ich die Chancen, abgesehen vom hobbymäßigen Training, eher nicht. Dafür fehlt einfach die Zeit, wie ich festgestellt habe. Sollte es aber irgendwann mal die Aussicht geben, mit der Produktion eines Floorball-Mediums Gehälter zahlen zu können, bin ich sofort dabei!

Auf welche Erinnerungen mit BAT blickst du am liebsten zurück?

Das Pokalfinale vergangenes Jahr in Dessau war gleichzeitig geil und bitter und wird mir immer in Erinnerung bleiben. Auch die Playoffs 2013 und 2015, in denen wird am Ende Bronze geholt haben, bleiben mir im Kopf. Und natürlich die Mitspieler, alles dufte Typen, in all den Jahren. Auf sie schaue ich eigentlich am liebsten zurück.

Gibt es Dinge, die du bereust? Fehler, verpasste Chancen?

Das nächste Mal ziehe ich den Fuß weg, wenn sich Axel Kuch nicht zwischen Schuss und Pass entscheiden kann. Dann werden wir nämlich Pokalsieger.

Du hast in den vergangenen zwei Jahren den Bundesliga-Einstieg von Jonas Bestgen mitbetreut. Wie schätzt du sein Potenzial ein?

Jonas hat sich unglaublich entwickelt. Er trainiert hart, bringt Physis und das nötige Talent mit. Für mich gehört er jetzt schon zu den besten Torhütern Deutschlands. Dabei ist er gerade mal 19 Jahre alt. Ich wäre froh gewesen, wenn ich in dem Alter so weit gewesen wäre wie Jonas. Unnötig zu sagen, dass er mir längst den Rang abgelaufen hat. Aber hinter ihm war ich am Ende gerne Nummer zwei.

Wie schätzt du Berlins Floorball-Zukunft ein? Geht da was?

Natürlich geht da was. Das Team ist im Kern seit Jahren zusammen und entwickelt sich weiter. Jetzt muss es noch lernen, Tore zu schießen. Wer weiß, was dann möglich ist. Und das Final4 dieses Jahr in der Sömmeringhalle hat auch gezeigt, dass Floorball in Berlin mehr als nur BAT ist. Hier und im Umland leben viele Vereine und engagierte Leute diesen Sport mit voller Leidenschaft. Diese gemeinsame Stärke muss weiter gebündelt werden. Dann geht’s noch mehr ab.