Kapitän Witte zieht’s nach Schweden

Nach sieben Saisons im Berliner Trikot verabschiedet sich Bundesliga-Kapitän Fabio Witte in Richtung Norden. Einer, der fehlen wird.

Kein Spieler der vergangenen Jahre war für die Dynamik des Berliner Spiels derart wichtig wie Fabio Witte. Der schlaksige Allrounder war auf jeder Feldposition einsetzbar und agierte meist als technischer Aufbauspieler mit Pferdelunge. Insgesamt verbuchte Witte im Berliner Dienst 54 Tore und 29 Vorlagen und führte die Mannschaft in den vergangenen vier Jahren als Kapitän.

Fabio, sieben Jahre warst du für BAT im Einsatz. Mit welchen Gefühlen blickst du auf diese Zeit zurück?

Fabio Witte: Es war eine ziemich coole Zeit. Floorball in Berlin ist vermutlich so chaotisch wie bei keinem anderen Bundesligisten. Aber egal, ob wir unsere Hallenzeit plötzlichen an den Fechtklub abtreten mussten, egal ob wir fast eine ganze Saison lang ausschließlich auf Kleinfeld trainieren konnten, egal dass wir nach fünf Jahren zum ersten Mal regelmäßig mit Bande trainieren durften – am Ende haben wir doch irgendwie das Beste draus gemacht. Und immerhin zweimal Bronze geholt. Und das Pokalfinale erreicht.

Sowas schlaucht.

Klar. Manchmal hätte man sich schon etwas mehr Sicherheit gewünscht – was passiert mit unserer Hallenzeit, wenn es den Fußballern draußen zu kalt wird? Wie wird der Kader nach dem Sommer aussehen? Aber wir hatten immer eine super Truppe, mit der es einfach Spaß gemacht hat, Floorball zu zocken.

Was war das größte Erlebnis, auf das du gerne zurückblickst?

Wahrscheinlich die Bronzemedaille in meinem ersten Jahr bei BAT. Erst die starke Viertelfinalserie gegen den ETV – an die Spiele erinnern wir Freddi immer wieder gerne (Frederik Bonk spielte damals noch für den ETV, d. Red.) – aber dann vor allem das Bronze-Spiel gegen Wernigerode.

Ein Spiel mit Hindernissen.

Ich habe damals beim Umziehen mein Trikot nicht gefunden. Selbstverständlich lag es später wie immer in Jans Tasche (Jan Kratochvil, der diesem Vorwurf entschlossen widerspricht, d. Red.). Also hat sich Spielertrainer Timo Krohne geopfert und mir sein Trikot überlassen, eine 99 in XL. Erst lief das Spiel gar nicht gut. Aber fünf Minuten vor Schluss bekamen wir dann doch Bock auf Bronze und drehten kurzerhand einen Drei-Tore-Rückstand. Medaillen gab es nach dem Spiel nicht – hat jemand beim Verband vergessen – aber dafür eine ordentliche Feier in Berlin.

Nachts an jeder Ecke noch einen Durstlöscher zu bekommen ist einfach ein Stück Lebensqualität.

Was wird dir besonders fehlen?

Die Auswärstfahrten haben echt Spaß gemacht. Manchmal waren die langen Strecken natürlich ätzend, aber die Gesprächsthemen und die Stimmung auf der Rückfahrt waren immer sensationell. Egal wie das Spiel ausgegangen war.

Das ist alles?

Dass es in Schweden keine Spätis gibt, werde ich auch erstmal verkraften müssen. Nachts an jeder Ecke noch einen Durstlöscher zu bekommen ist einfach ein Stück Lebensqualität.

Was zieht dich nach Schweden?

Ich habe eigentlich nie geplant, nach Schweden zu gehen. Im Herbst habe ich dann eine Ausschreibung für einen Job gesehen. Die Stelle war
im Prinzip das Gleiche, was ich jetzt zwei Jahre lang als Werkstudent gemacht habe. „Einfach mal bewerben, Schweden soll ja ganz nett sein“, dachte ich mir. Die Bewerbung lief gut und schwups, geht’s für mich nach Schweden. Es ist schon ein komisches Gefühl auszuwandern, aber mit der Zeit hab ich echt Lust bekommen, wieder etwas Neues zu erleben.

Wirst du dort auch Floorball spielen?

Gerade bin ich erstmal froh, ein bisschen Pause zu haben. Wenn die Hände dann aber wieder nach dem Floorballschläger schreien, werde ich mir in Gävle einen Verein suchen. Als erstes werde ich es wohl in der Division 1 (dritthöchste Liga) werde ich versuchen.

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